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  beratung > coming-out-stories > Coming-Out von Susan

Coming-Out von Susan

Den ersten Kontakt mit Homosexualität hatte ich bereits in der Grundschule. Eine Klassenkameradin, die in der 5. Klasse neu dazu kam, war/ist lesbisch. Ich habe mich mit ihr befreundet. Ich hielt nichts von denen, die sie dissten. Ich fand das sehr fies und ich hielt zu ihr. Ich selber war aber nicht lesbisch. Denke ich zu mindest. Ich habe nicht sehr viele Erinnerungen an meine Kindheit. Alles ausgelöscht, so gut wie zu mindest. Das erste mal habe ich mich in den Sommeferien 2000 verliebt. Wir haben beide eine Sprachreise nach Frankreich gemacht. Am Anfang dachte ich, dass es nur freundschaftliche Gefühle sind. Es hat sehr lange gedauert bis ich 100% sicher war, was ich für sie empfinde. Ich habe es ihr kurz bevor wir uns das nächste mal sahen gesagt, war mir aber nicht sicher und habe es 3 Tage danach wieder zurück genommen. Sie litt sehr darunter. Sie wollte die Freundschaft bewahren, hielt es aber für unmöglich mit jemanden befreundet zu sein, der mehr für sie empfand als Freundschaft. Als ich bei ihr war, war es die Hölle, ich meine Gefühls mäßig. Ich wollte sie berühren, sie küssen... was aber nicht ging. Seit den Sommerferien habe ich mich immer mehr über Homosexualität informiert. Habe mir selber höchstens eingestanden, dass ich bi bin. Habe sogar mit Jungs geflirtet, in der Hoffnung, das die Phase wieder verging, das ich nur Hetero sei. Hatte aber immer nur SIE im Hinterkopf. Ich war sehr sehr verliebt, sie war meine große Liebe, DIE Frau schlecht hin.

Irgendwann habe ich mir dann eingestanden das das mit der Heterosexualität wohl doch nicht so das wahre ist für mich. Ich empfand eine gewisse Abneigung gegen das männliche Geschlecht. Habe mich mehr mit Mädchen unterhalten, war in Lesbenchannels. Meine Mum hat es mir auch nicht gerade leicht gemacht, meine Homosexualität zu erkennen. Sie dachte immer nur, dass die Gefühle, die ich für Sie hegte, nur freundschaftliche seien, hat versucht mich davon zu überzeugen, was sie aber nicht wirklich geschafft hat. Ich habe mich nur noch mehr mit dem Thema befasst. Ich habe lange und intensiv darüber gegrübelt was ich nun für Mädels empfinde und was ich für Jungs empfinde. Das Resultat: Ich gestand mir nach fast zwei Jahren ein, dass ich lesbisch bin. Ich habe es ihr gesagt, dass ich lesbisch bin. Sie hat mir nie geglaubt, dass ich wirklich nur Freundschaft für sie empfinde, was ja auch nicht der Fall war. Sie hat aber gelernt damit umzugehen. Sie hat gelernt, es zu akzeptieren. Ich habe ihr vor kurzem erst gesagt, was ich damals für sie empfand und dass es inzwischen nicht mehr so sei. Ich musst es ihr sagen, da es zwischen uns, zwischen unser Freundschaft stand. Es war sehr wichtig, dass sie es erfuhr, da es zwischen unser Freundschaft stand. Ich hatte mich zwischendurch auch in ein anderes Mädel verliebt, wir waren auch zusammen. Wenn auch nicht lange! Und nun bin ich es das 3. Mal! Und ich bin mir zu 99,999% sicher, das ich lesbisch bin!

Mit meiner Mum habe ich darüber noch mal sehr intensiv gesprochen wie über vieles andere auch. Und sie steht zu mir. Sie akzeptiert es und toleriert es! Mein Bruder und mein Vater genauso! Meine andern Freunde? Nun die haben darin noch nie ein Problem gesehen! Ich bin froh, dass ich es nur einer Oma erzählen musste. Sie ist zwar tolerant aber sie kann es einfach nicht verstehen. Meine Klasse weiß es noch nicht. Aber wenn ein Tratschweib mich mit meiner Freundin sehen sollte, dann sieht sie mich halt. Dann weiß es die gesamte Klasse, was mir nicht sehr viel ausmacht. Da eh nur noch dieses Jahr diese Klasse beginnt!
Ich werde mich wohl noch oft outen müssen. Und es fällt mir jedes mal schwer. Aber dadurch kann ich mich so geben wie ich nunmal bin. Ich habe sehr darunter gelitten, dass ich nicht so sein konnte wie ich bin.




Susan, 17 Jahre, 80km süd-östlich von Berlin, littledevil_w@web.de
 
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