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  beratung > coming-out-stories > Peter: Mein Coming-Out

Peter: Mein Coming-Out

von Peter

Mein Coming Out.

Mein Coming Out hatte ich eigentlich recht schnell nachdem ich mir selbst eingestanden habe, schwul zu sein.

Dass ich schwul bin, wusste ich eigentlich schon immer, nur mit dem eingestehen ist das so eine Sache. Ich persönlich habe zumindest bis zum 22. Lebensjahr dazu gebraucht, und bereue, dass ich es nicht schon früher getan habe.

Ich habe es bisher immer verdrängt und unterbewusst versucht zu verbergen, wahrscheinlich einfach, weil ich selbst Angst davor hatte, da in unserer Gesellschaft Schwule und Lesben zumindest immer noch schief angesehen werden.

Mein "inneres" Coming Out (das sich selbst eingestehen, dass man schwul ist) ging bei mir recht schnell, dies dauerte nur von Mittwoch abend bis Sonntag abend; so sicher war ich mir da, obwohl ich es die ganzen Jahre verdrängt hatte. Ich hatte es satt, mich ständig zu verstellen und anderen etwas vorzuspielen; ich konnte mich ja noch nicht einmal "gefahrlos" umdrehen, wenn ein schnuckeliger Junge an mir vorbeigelaufen war.

So kam es dann auch, dass ich mich gleich am Montag abend nach meinem inneren Coming Out meinem besten Freund outete. Ich sagte ihm einfach, ich müsse ihm etwas wichtiges sagen, und meinte dann, dass "ich mich eher für Männer als für Frauen interessiere". Ich musste es ihm einfach sagen, da ich alle Dinge in meinem Leben immer sehr konsequent durchziehe, egal, was. Er nahm es absolut toll auf und meinte, dass er es schon immer gewusst habe, seit er mich vor viereinhalb Jahren kennen gelernt habe. Meine schauspielerischen Fähigkeiten waren also schlechter, als ich dachte. ;)

Dann haben wir uns noch über dieses Thema unterhalten, er hat absolut keine Probleme damit und verhält sich mir gegenüber völlig normal; wir verstehen und sogar viel besser als früher. Er zieht im Spaß über Schwule her, und ich über Heten. Später musste er dann noch einkaufen und kam mit einer Flasche "Moet et Chandon" zur Feier des Tages zurück, die wir leider nicht ganz austrinken konnten, da ich zu dieser Zeit fiebersenkende Tabletten nahm und Alk dann ganz schön reinbeamt.

Auf alle Fälle war mein erstes Coming Out viel positiver, als ich gedacht hatte. Ich war danach irgendwie stolz, dass ich den Mut hatte, es zu sagen; auch war ich sehr erleichtert und glücklich.

Später rief ich noch einen alten Schulfreund von mir an, von dem ich wusste, dass er schwul ist, und sagte es auch ihm. Er hat es natürlich auch positiv aufgenommen und so haben wir uns noch über dieses Thema recht konstruktiv unterhalten.
Es hat mich dann auch wieder sehr verwundert, als er mir sagte, er hätte sich das auch schon gedacht.

Nachdem es mein wichtigster Freund wusste, stand ich vor der Aufgabe, es meiner Freundin zu sagen, die ich bis auf den Sex mit ihr wirklich mochte und auch immer noch mag. So richtig lieben konnte ich sie jedoch nicht, sie hat mich jedoch sehr geliebt.

Bei meiner Freundin habe ich mich dann am darauffolgenden Freitag geoutet. Ich habe ihr nach den Worten, dass ich ihr etwas wichtiges sagen müsste, einfach gesagt, dass ich schwul bin.

Am Anfang hat sie gemeint, ich wolle sie verarschen, aber da sie dann schließlich auch an meinem Verhalten gemerkt hat, dass ich es ernst meine, hat sie mich die ersten Minuten nur ungläubig angesehen, während ich ihr erklärte, wie schwer dies auch alles für mich sei.

Danach hat sie dann angefangen zu weinen und ich habe sie im Arm gehalten, und ihr gesagt, dass das nicht an ihr liege, und dass ich es auch nicht ändern könne, ob ich denn wolle oder nicht. Dies hat sie dann auch schließlich eingesehen und mich gefragt, warum ich es ihr nicht von Anfang an gesagt habe, obwohl ich es schon immer gewusst habe.

Ich habe ihr dann von meinem Selbst-Eingestehen (inneres Coming Out) und von meinen Zweifeln erzählt, ob ich denn wirklich schwul wäre. Ich sagte ihr, dass ich die Hoffnung gehabt hätte, es nicht zu sein und dass die praktisch mein Strohhalm gewesen wäre, an den ich mich festgeklammert hätte.

Jedoch haben sich meine Hoffnungen nicht erfüllt.

Sie hat dann mit einer Freundin (die vertrauenswürdig ist) telefoniert und ihr die Situation geschildert, und mit ihr wird sie sich morgen treffen.

Dieses Coming-Out hat sich auf alle Fälle auch gelohnt, da sie nun weiß, was mit mir die ganze Zeit los war und dass es nicht an ihr lag.

Wir sind dann zu der Vereinbarung gekommen, dass sie mich jederzeit anrufen kann und dass wir weiterhin Freunde bleiben werden, was wir auch sind.

Dann stand jedoch noch die größte Hürde an, und zwar das Coming Out gegenüber meinen Eltern. Ich wollte auf alle Fälle, dass sie es von mir persönlich erfahren, weil ich dachte und immer noch denke, dass sich das Ganze nur in einem persönlichen Gespräch erklären lässt.

Ich bin extra 10 Tage nach dem Coming Out bei meiner Freundin von meinem Studienort nach Hause gefahren, um es meiner Mutter alleine zu sagen, da am Wochenende (zu denen ich immer nach Hause fahre) immer mein Vater da ist, und ich dessen Reaktion absolut nicht abschätzen kann. Auch hatte ich Angst davor, es beiden auf einmal zu erzählen, da es ja möglich gewesen wäre, dass sie beide damit nicht klarkommen und ihre Reaktionen sich aufschaukeln.

Ich habe mich also zu ihr gesetzt, und gesagt, ich müsse ihr etwas sehr wichtiges und persönliches sagen.

Dann habe ich einfach gesagt, dass ich schwul wäre. Sie hat es absolut toll aufgenommen und war sofort darüber hinweg, also keinerlei Vorwürfe, Zweifel oder ähnliches.

Sie sagte mir, sie hätte sich das schon gedacht, und ich solle auf alle Fälle dazu stehen, auch wenn es manchmal Nachteile bringen wird und schwierig sein könnte!

Sie würde auf alle Fälle hinter mir und zu mir stehen, egal, was passiert. Außerdem solle ich mir einen "netten" Freund aussuchen und im allgemeinen vorsichtig sein, aber das wüsste ich wohl sowieso schon.

Des weiteren sei ich natürlich immer noch ihr Sohn und nicht weniger wert!

Dann haben wir noch besprochen, wer es aus der Verwandtschaft aus welchem Grund nicht erfahren soll, und damit hatte sich die Sache erledigt und alles so wie vorher!

Sie hat es am gleichen Abend noch meinem Dad erzählt. Am Wochenende war seine Stimmung mir gegenüber dann etwas kalt, und meine Mutter sagte mir, dass er damit einfach nichts anfangen könne. Er müsste sich das auch alles überlegen und damit zurechtkommen. Außerdem würde er es schade finden, wenn ich keine Enkel bekommen werde. Zwei Wochenenden später ist sein Verhalten mir gegenüber wieder völlig normal, ich habe sogar den Eindruck, dass er mir gegenüber offener und freundlicher geworden ist, außerdem interessiert er sich nun dafür, was ich Samstag abend immer mache, was ich ihm jedoch nicht verrate.


Seit meinem Coming Out sind nun 6 Wochen vergangen, ich habe zwei nette Jungs aus dem Channel
Mein Fazit: Coming Out - unbedingt!





 
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