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  beratung > coming-out-stories > My Way - Teil I

My Way - Teil I

Dennis Coming-Out

Eigentlich könnte ich mich glücklich schätzen, meine Familie ist nicht spießig, unliberal oder altmodisch. Ich konnte mit meinen Eltern bisher offen über alle Themen sprechen und es besteht ein großes gegeneinseitiges Vertrauen. Ich lebe wie in einer Bilderbuch-Familie in idyllischer Umgebung auf dem Land (etwa 25 Autominuten von Köln entfernt). Vor unserer Türe direkt eine Spielstraße und der Wald fängt schon nach 5 Minuten Fußweg an. Unser Haushalt besteht aus 5 Familienmitgliedern. Vater, Mutter, meiner 7 Jahre jüngere Schwester, meiner bald 80 jährigen Oma (die noch topfit ist) und mir. Ein drei Generationen Haus sozusagen. Aber es klappt prima, ach ja und unser Hund.

O.K. zu meinem Vater habe ich kein besonders enges Verhältnis, das liegt aber auch daran, weil er als Manager in einer großen Firma oft auf reisen ist und wenn er mal zu Hause ist, einfach nur seine Ruhe haben möchte. Aber sonst ist er echt locker drauf.

Der konservativste bei uns bin wenn dann ich. Die ganze Geschichte hat nur einen Haken, ich bin schwul. Gesagt bekommen habe ich das auch schon im sechsten, siebtem Schuljahr. Nur das ich damals noch nichts großes damit anfangen konnte, geschweige denn mir große Gedanken darüber gemacht habe.

Auffällig erschienen bin ich meinen Mitschülern von damals sicherlich dadurch, das ich schon immer mit genauso viele Mädchen wie Jungen befreundet war. Außerdem hasste ich Ballspiele, Armdrücken, Spaßkämpfchen und bewegte mich einfach zu elegant für einen Landjungen.

Später dann sprachen mich auch mal einige Leute aus meinem engeren Freundeskreis an, ob ich mir nicht schon mal Gedanken gemacht hätte, bezüglich einer anderen sexuellen Neigung. Ich sagte: "nein, niemals." Aber in Wirklichkeit wurde mir immer mehr bewusst, dass ich da etwas vor mir wegschob, was schon lange in meinem Unterbewusstsein schlummerte. Außerdem hatte ich immer noch den Wunsch nach der Bilderbuch-Traumfrau verspürt, der durch Filme wie Titanic natürlich auch noch geschürt wurde. Ich hatte auch bis 20 einige Hetero-Beziehungen, aber nur rein platonischer Natur.

Mein Problem damals war, dass ich geglaubt hatte, man könnte die große Liebe finden, bevor man zu sich selbst gefunden hat.

Trotzdem wartete ich mit dem Ausleben meiner homosexuellen Einstellung, bis ich 20 wurde und mit dem Zivildienst begann. Nun war auch endlich der ganze Schulstress vorbei und ich hatte mehr Zeit mich mit persönlichen Problemen wie diesen auseinander zu setzen. Einen Ausbildungsplatz hatte ich auch schon sicher, sogar in Köln und von daher wollte ich sowieso nach dem Zivildienst nach Köln ziehen. Durch das Internet stieß ich auf die schwule Jugendgruppe Boy Trek aus Köln. Später dann auch auf Volker, der dort (noch immer) seine eigene Homepage hat. Er wohnt auch auf dem Land und von daher fühlte ich mich ihm eher vertraut als anderen. Was nutzte mir ein abgebrühter Großstädter, der sich schon mit 14 geoutet hat und einer Jugendgruppe anschloss.

Ich brauchte auch einen "Spätzünder" vom Land, mit ähnlichen Problemen, der mich verstand, mir Tipps geben und vorsichtig in die Szene einführen konnte. Also schrieb ich ihm eine Mail und kurze Zeit später trafen wir uns auch, zuerst zum Essen beim Italiener und später dann (damals noch) im Schulz.

Schnell lernte ich auch andere interessante gleichgesinnte kennen und lieben. Mittlerweile kenne ich schon die beliebtesten Treffpunkte in Köln, für junge schwule und fühle mich nicht mehr unsicher beim betreten eines solchen Lokales oder einer Diskothek. Es sind doch alles nur Menschen, die mich noch besser verstehen als z.B. meine beste Freundin und mir das Gefühl von Geborgenheit vermitteln, wie in einer "großen Familie". Klar war das zuerst ein "Kulturschock", aber mit der Zeit lernt man auch als konservativer Mensch, alles was da so "buntes und schrilles" rumläuft zu tolerieren. (So lange sie einen nicht nerven).

Geoutet habe ich mich bisher nur bei meiner besten Freundin, die das ganze natürlich schon lange gerochen hat. Bei meinen Eltern warte ich lieber noch bis Weihnachten vorbei ist. Mein Freundeskreis ist dann vorsichtshalber danach dran. Mir wurde in der Szene mal erzählt, die meisten Mütter hätten da schon vorher einen ganz guten "Riecher", während die Väter das grundsätzlich vom Hocker hauen würde. Ich habe keine Ahnung, ob meine Eltern mir dann auch erlauben, es meiner (zur Zeit in der vorpubertären Phase steckenden) Schwester zu erzählen ?!

Aber sobald das alles passiert ist, also Weihnachten vorbei ist melde ich mich wieder.

Versprochen, und allen denen es momentan genauso geht wünsche ich viel Erfolg beim Outing !
Ich möchte gerne geoutet ("mit weißer Weste") ins neue Jahr gehen !!!





 
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