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My Way - Teil II
Dennis Coming-Out
2. Teil (Wie versprochen, ...)
Als verlorene Zeit würde ich den Zeitraum von meinem "schwulen Bewusstsein" an, bis zu meinem Outing nicht bezeichnen. Ich wäre sicherlich auch als Hete ein Spätzünder gewesen, und habe die Zeit genutzt meine Kindheit voll auszuleben, mir einen wunderbaren Freundeskreis aufzubauen und meine Schule erfolgreich abzuschließen. Außerdem habe ich einige Hetero-Beziehungen angefangen, die mich in meiner Erkenntnis schwul zu sein nur bestätigt haben. Ich habe auch bisher viel Spaß mit meiner Clique und meiner Familie gehabt. Aber nun zur Sache!
Die "Operation Outing" ist am 26.12.1998 von mir erfolgreich abgeschlossen worden. Danach fühlte ich mich wie neu geboren. Meine Eltern sind natürlich nicht vor Freude an die Decke gesprungen, haben aber doch sehr verständnisvoll reagiert. Ich bin einfach nachdem meine Eltern von einem ausgiebigen Spaziergang wieder nach Hause kamen zu ihnen runter gekommen und kündigte an das ich etwas wichtiges mit ihnen zu besprechen hätte. Das lässt sich vor allem meine etwas neugierige Mutter nicht zweimal sagen und sofort saßen wir (mit Ausnahme von meiner Oma und meiner jüngeren Schwester) am Tisch. Ich nahm also all meinen Mut zusammen und leitete vorsichtig ein, indem ich ihnen klar machte, dass das was jetzt kommen würde, was nicht so einfach weg zu stecken sei. Nach einigem Umherraten meiner Mutter, kam sie dann auch schon von alleine drauf. Ihr erster Kommentar: "Wenn Du mir jetzt erzählt hättest, dass einer Deiner besten Freunde schwul ist, hätte ich auch nur gesagt na und. Aber wenn es der eigene Sohn ist, dann ist das schon etwas anderes. Das müssen wir jetzt erst einmal für uns verarbeiten." Wir besprachen dann noch das ich es deswegen noch nicht meiner Schwester und meinem Heten-Freundeskreis offiziell sage, da meine Eltern größtenteils auch mit den Eltern meiner Freunde befreundet sind und bei uns auf den Dörfern das sonst im Nu gleich JEDER weiß. Ich akzeptierte das, sagte meinen Eltern noch wer schon von mir eingeweiht war (2 Freundinnen) und dann kamen die üblichen Klischee-Fragen. Das heißt Aids, Lederopis und andere. Außerdem wollten sie wissen ob ich denn schon eine feste Beziehung zur Zeit hätte. Ich verneinte und erklärte ihnen das ich zur Zeit nur mit zwei Personen aus der Szene engeren Freundschaftlichen Kontakt habe und diese für mich vor allem mein Sprungbrett in die Szene sind, in der ich jetzt schon seit ca. zwei Monaten unterwegs bin. Mein Vater wunderte sich anscheinend weniger und fragte nur warum ich das denn erst jetzt für mich akzeptieren könnte. Danach meinte er, dass er mich jetzt auch viel besser versteht und sich das Verhältnis zwischen ihm und mir nun auch sicher verbessern wird. Ich erklärte ihm, dass der Weg bis hin zum Outing bei mir ein langer Akzeptanz-Prozess gewesen sei, da man zuerst immer wieder die Wahrheit zu verdrängen versucht.
Nach unserem etwa zweistündigen Gespräch fuhr ich zu Volker und stieß mit ihm auf mein erfolgreiches Outing an. Es war wie eine zweite Geburt.
Aber die Schauspielerei wird mir fehlen, obwohl auch später immer wieder Situationen auftauchen werden, in denen ich aus taktischen Gründen besser noch einmal die "glückliche Hete" mimen werde. Ich bin fest davon überzeugt das die meisten Schwulen die besten Schauspieler sind, da sie mit der Erkenntnis schwul zu sein "direkt ins kalte Wasser geschmissen werden" und häufig zuerst gar anders können als ihr Schwulsein erst einmal zu "überspielen". Bei einigen klappt das ganz gut wie bei mir, bei anderen vielleicht auch weniger gut. Trotzdem bin ich der Meinung, dass bis man sich nicht 100 % sicher ist schwul zu sein, jemand besser noch ein bisschen weiter schauspielern sollte, da man sonst aus der "Schublade" (in den Köpfen der Leute bei denen man sich geoutet hat) nicht mehr so schnell heraus kommt. Auch wenn die Akzeptanz immer größer wird.
Meine Schwester hat es (auch aufgrund diverser schwuler Internet-Seiten, in denen ich trotz ihrer Anwesenheit heimlich stöberte) dann doch schon gemerkt. Sie war zuerst verunsichert, da sie meinte ich wäre jetzt tot unglücklich. Aber als sie dann hörte wie gut es mir besonders nach dem Outing geht, war sie beruhigt.
Ich danke noch einmal all denen, die mir die Kraft und den Mut gegeben haben mein Outing durchzuziehen und ich weis auch das Gott mich dabei unterstützt hat. (Ja Herr Stoiber, Sie haben richtig gelesen) !
Homosexuelle gab es schon immer und wird es auch immer geben. Die Gesellschaft braucht Ihre schwulen Mitmenschen ob als Politiker, Musiker, Wissenschaftler, Künstler, Selbstständige, Arbeiter, Beamte oder Angestellte. Ich weiß, dass die Gesellschaft mich braucht, ich bin nicht minderwertig nur weil ich schwul bin.
In diesem Sinne,
macht´s gut.
Dennis



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