„Finde dich selbst, feier dich selbst“: Netta macht Mut fürs Coming-out

Beim Kölner CSD haben Besucher*innen ihr Statement zum Motto „Coming-out in DEINEM Style“ abgegeben. Sie wollten Mut für das Thema Coming-out  machen und ein Zeichen für Vielfalt setzen. Auch ESC-Gewinnerin Netta hat eine Botschaft an queere Jugendliche und Erwachsene, die noch kein Coming-out hatten.

Interessiert wurde die Coming-out-Box bestaunt, die der Jugendtreff anyway gemeinsam mit dem Cologne Pride auf dem CSD-Straßenfest in Köln aufgestellt hatte. Einige CSD-Besucher*innen interpretierten sie als eine Art Beichtstuhl, um darin ihr Coming-out haben zu können. Aber weit gefehlt. Mit einer Kamera ausgestattet lud die Box dazu ein, ein Statement für das Thema Coming-out abzugeben. Auch ESC-Gewinnerin Netta gab neben vielen anderen schwulen, lesbische, bisexuellen und trans* Besucher*innen ihre Botschaft ab. „Das Leben ist sehr sehr kurz. Wenn du nicht das machst, was du wirklich willst, dann ist es wertlos. Wenn du nicht deine eigene Farbe findest und sie nach außen strahlen lässt, dann wird ein kleiner Teil von dir dunkel bleiben. Finde dich selbst, feier dich selbst“, sagte Netta.

Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth richtete ihre Botschaft vor allem an die mehrheitlich heterosexuelle Gesellschaft: „Und wenn ich verlange, Gesicht zu zeigen und die Stimme zu erheben, dann erwarte ich das von den Heterosexuellen, die sich vor die Menschen stellen, die immer noch Angst haben, ihr Coming-out zu begehen. Was muss das für ein Leben sein, wenn ich nicht sein kann, wie ich bin?“

Alle Videos der Box sind ab sofort auf YouTube zu sehen. Darunter finden sich viele mutmachende, mitunter witzige, aber auch traurige und vor allem sehr persönliche Statements. Ein Vater outet sich dafür, dass er stolz auf seinen schwulen Sohn ist. Andere erzählten vom Coming-out von vor 20 Jahren oder als HIV-Positiver. Ein Student aus Köln nutze dann die Gunst der Stunde, sich in der Box bei seinen Eltern zu outen: „Ich oute mich, nicht bei meinen Eltern out zu sein. Mama, Papa, falls ihr es seht: Ich bin schwul.“

Ein Coming-out ist ein lebenslanges Thema von der Jugend bis ins Seniorenheim

Die Coming-out-Box zeigt, dass es viele Arten und Weisen des Coming-outs gibt. Einige Menschen haben Coming-outs für verschiedene Identitäten, z.B. erst als lesbisch und später als trans*. Andere Menschen werden aufgrund ihrer Lebensumstände nie ein Coming-out haben können. „Das war unser Anliegen, mit dem diesjährigen CSD-Motto: Coming-out in seiner ganzen Breite sichtbar zu machen. Es ist etwas, was uns Lesben, Schwule, Bi und Trans* ein Leben lang beschäftigt. Egal ob nun in der Jugend bei Familie und Freunden oder später auf der Arbeit oder im Seniorenheim“, sagt Ina Wolf vom Cologne Pride.

Auch Léon, Ehrenamtlicher aus dem Medienprojekt anyway.tv zeigte sich von der Coming-out-Box begeistert: „Es gab unglaubliche viele tolle und bewegende Momente in der Box. Nachdem die Kamera aus war, haben wir oft noch geredet. Wenn alle Menschen in unserer Gesellschaft so offen wären wie die Menschen in der Box, dann brauchen wir irgendwann kein Coming-out mehr, weil es normal ist, vielfältig zu sein.“